Kaum zurück aus den Ferien scheinen sich die “Ereignisse” in der kleinen Stadt am grossen See ja fast zu überschlagen. Da werden drei Ortstafeln als zusätzlichen Input zum Projekt “Primavera – Eine Stadt spürt den Frühling” mit den Slogans “Südlichste Bucht”, “Gastliche Hafenstadt” und “Slow City” überklebt und prompt folgt eine geharnischte Reaktion der Obrigkeit. Diesmal in der Person von Strassenkreisinspektor Hans Kästli. Und gemäss seinen Aussagen im Tagblatt scheint er da wirklich keinen Spass zu verstehen, obwohl er sich selber als humorvollen Menschen bezeichnet… Und die Tafeln sind (leider) wieder so bieder wie bis anhin, wie das Bild beweist, welches ich am Sonntagmorgen geschossen habe.

Du siehst, lieber Mark, dass gute Ideen eben vielfach auch ganz anders interpretiert werden. Du kennst mich ja und weisst, dass ich Fan von schrägen Ideen bin und kann Dir zur mutigen Aktion nur von Herzen gratulieren. Wo kommen wir denn hin, wenn wir all unsere Ideen im Vorfeld absegnen lassen müssen? Da geht ja die ganze Spontaneität des freien Geistes verloren!
Als altes Star Wars-Kind gebe ich Dir deshalb den Jedi-Ruf “Die Macht sei mit Dir!” mit auf den Weg. Lass Dich in Deiner Kreativität nicht beirren und gebe den möchtegern Imperatoren dieser Welt nicht jenen Stellenwert, den diese gerne hätten. Meine Unterstützung hast Du auf jeden Fall. Freuen wir auf den Frühling, den wir uns vorstellen!
22. März 2009 um 17:21
Wow, ist dieser Blog doch noch am Leben. Schön wieder von dir zu lesen lieber Res.
24. März 2009 um 16:10
Ich weiss nicht wirklich, ob alles, was aus der Reihe tanzt, automatisch innovativ oder witzig oder sonstwie beachtenswert ist. Mir scheint das eher ein verkrampfter Versuch, Aufmerksamkeit (für sich selbst) zu wecken. Und zudem inhaltlich ein eher bescheidener Versuch. “Gastliche Hafenstadt” ist vermutlich ausgelutschter als jede andere mögliche Bezeichnung (und zudem ein Versprechen, das einzulösen es erst gilt), das Propagieren der bewussten Langsamkeit (“Slow city”) als Gegenpol zur bösen, bösen schnelllebigen Zeit ist auch etwas überbeansprucht (Slow-up, Slow food usw.), und mit der “südlichsten Bucht” kann ich überhaupt nichts anfangen, weil “südlichst” an sich für mich noch keinen Wert darstellt (für Sonnenanbeter vielleicht eher).
Ehre gebührt dem Urheber der Aktion aber auf jeden Fall, weil er mit traumwandlerischer Sicherheit erkennt, welche Aktion ihm öffentliche Präsenz garantiert. Ortstafeln sind in der Schweiz ein kleines Heiligtum, die Schlagzeilen waren unschwer zu prognostizieren.
Und zum Strasseninspektor: Seien wir ehrlich, wäre er nicht eingeschritten, wäre die Aktion so gut wie unbeachtet geblieben. Erst sein Veto hat aus dem Ganzen überhaupt eine erwähnenswerte Aktion gemacht, und der Urheber der Geschichte hat mit Garantie dieses Veto einkalkuliert. Insofern hat der gute Herr Kästli unfreiwillig seine Rolle gespielt beim Ganzen.
24. März 2009 um 20:36
Okay, Stefan, mag ja sein, dass Ortstafeln in der Schweiz ein kleines Heiligtum sind und dass Du mit Aktionen dieser Art nicht viel anfangen kannst. Ich bin da halt ein bisschen empfänglicher… kann aber mit Deinem Beitrag gut leben und werde kommende Aktionen dieser Art für einmal mit Deiner Sichtweise betrachten.
Und jetzt muss ich weiter Davos unterstützen. Die führen 1:0. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt!
29. März 2009 um 19:56
Naja, um zu präzisieren: Für mich persönlich sind Strassentafeln mit Sicherheit kein Heiligtum, meinetwegen kann MR sämtliche Strassentafeln der Schweiz gäggeligääl bemalen. Ich meine nur, dass der Grat zwischen spannenden Aktionen und bemühend-eifrigem Sauglattismus extrem schmal ist. – Und das mit Davos scheint ja geklappt zu haben…